literaTurm – OST WEST TEXT
Eröffnung / 13. Literaturfestival Frankfurt
Die Frage nach dem Verhältnis von Ost und West ist immer eine solche nach Identität und Erinnerung, nach Erfahrungen von Umbruch und Entwertung, politischen Verschiebungen und kulturellen Selbstvergewisserungen. Wie lassen sich anhaltende Unterschiede verstehen – als Defizit, als Eigenständigkeit oder als ungelöste Spannung?
Zum Auftakt von literaTurm 2026 kommen drei der profiliertesten Stimmen aus Literatur, Medien und Sozialwissenschaften zusammen, um neue Perspektiven aufzuzeigen. Jana Hensel gehört seit ihrem frühen Erfolg mit dem Buch Zonenkinder zu den wichtigsten literarischen Chronistinnen ostdeutscher Lebenswelten. Ihr aktuelles Buch Es war einmal ein Land trägt den alarmierenden Untertitel Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet. Der renommierte Soziologe Steffen Mau, Autor von Büchern wie Lütten Klein und Ungleich vereint, widerspricht der populären Angleichungsthese und beharrt auf der Andersartigkeit des Ostens. Mit Ursula Krechel tritt eine Schriftstellerin und Lyrikerin hinzu, deren Werk aus West-Perspektive die historischen Tiefenschichten deutscher Gegenwart auslotet. Als literarische Chronistin und kritische Beobachterin hat die Büchner-Preisträgerin des Jahres 2025 sich immer wieder mit Fragen von Erinnerung, Verdrängung und Gerechtigkeit auseinandergesetzt.
Die Auftaktveranstaltung moderiert der F.A.Z.-Feuilletonredakteur Andreas Platthaus.
Jana Hensel, geboren 1976 in Borna, ist Autorin und Journalistin. 2002 veröffentliche sie das autobiografische Buch Zonenkinder, es folgten unter anderem Achtung Zone. Warum wir Ostdeutschen anders bleiben sollten, Wie alles anders bleibt. Geschichten aus Ostdeutschland sowie gemeinsam mit Wolfgang Engler Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein. Jüngst erschien im Frühjahr 2026 Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet. Jana Hensel wurde 2019 vom Medium Magazin in der Rubrik Kultur zur „Journalistin des Jahres“ gewählt. Sie lebt in Berlin.
Ursula Krechel, geboren 1947 in Trier, schreibt Lyrik, Prosa, Essays, Theaterstücke und Hörspiele. Ihr Roman Landgericht über die Rückkehr eines jüdischen Exilanten in das Nachkriegsdeutschland wurde 2012 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet und 2017 verfilmt. Zuletzt erschienen im vergangenen Jahr der Roman Sehr geehrte Frau Ministerin sowie der Essayband Vom Herzasthma des Exils. Ursula Krechel wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2025 mit dem Georg-Büchner-Preis. Sie lebt in Berlin.
Steffen Mau, geboren 1968 in Rostock, ist Professor für Makrosoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen. Mit den Folgen des Systemwechsels in Ostdeutschland setzte er sich vor allem in den Büchern Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft sowie Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt, ausgezeichnet mit dem Bayrischen Buchpreis 2024, auseinander. 2025 veröffentlichte er zusammen mit früheren Vorsitzenden von Bündnis90/Die Grünen Ricarda Lange Der große Umbruch. Ein Gespräch über Krisen, Konflikte und Kompromisse.
Andreas Platthaus, geboren 1966 in Aachen, ist Autor und Journalist und leitet das Ressort „Literatur und literarisches Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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