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Theater lebt!

Stellungnahme der Frankfurter Theaterallianz zu den Möglichkeiten zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

Frankfurt, den 16. Mai 2020
Stellungnahme der Frankfurter Theaterallianz zu den Möglichkeiten zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs
 

Das nichts mehr so ist, wie es vor einigen Wochen noch war, macht vor keinem der Frankfurter Theater Halt und stellt die Kulturschaffenden der Stadt vor enorme Herausforderungen. Bei vielen Künstlerinnen und Künstlern kommt hinzu, dass sie gegen eine ständige Existenzangst anzukämpfen haben. Der große Wirtschaftszweig der Kultur- und Kreativbranche beschäftigt Tausende von Mitarbeitern und Freiberuflern, deren Arbeitsplätze bedroht sind.

Trotzdem begrüßt die Frankfurter Theaterallianz den Beschluss der Hessischen Landesregierung vom 7. Mai, der es den Theatern in Hessen erlaubt, ab 9. Mai unter Beachtung entsprechender Hygieneregeln ihren Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Damit können im Mai und Juni noch vor dem Ende der aktuellen Saison zumindest wieder einzelne Theateraufführungen in Frankfurt gespielt und damit ein Teil des kulturellen Lebens der Stadt zurückgewonnen werden.

Die strengen Hygieneauflagen führen jedoch dazu, dass eine Reihe von Bühnen geschlossen bleiben werden; denn die Anordnung, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer jederzeit 1,50 m Mindestabstand zueinander halten müssen, bedeutet, dass die Zahl der Zuschauerplätze pro Vorstellung um bis zu 85% reduziert werden muss. Die Folge ist eine entsprechend drastische Verringerung der Karteneinnahmen. Ein Teil der Theater (insbesondere der freien und der privaten Theater) kann sich eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs unter solchen Voraussetzungen finanziell nicht leisten. Selbst viele der für den Sommer geplanten Open-Air-Veranstaltungen müssen deshalb abgesagt werden. Und auch die Theater, die spielen, können nur einen kleinen Teil ihres Programms zeigen und müssen sich auf kostengünstige kleine Formate beschränken.

Hier wird eine Lücke deutlich, insbesondere bei der Förderung der freien Theater, auf die die Theaterallianz, aber auch LaProf und ID Frankfurt, das Kulturdezernat der Stadt und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst schon häufig hingewiesen haben: dass nämlich vorrangig die Erarbeitung von Produktionen und Projekten bezuschusst wird, aber gar nicht oder viel zu wenig die Aufführungen selbst. Diese Förderlücke, die schon unter normalen Voraussetzungen ein Problem darstellt, wirkt sich in Krisenzeiten wie diesen absolut verhängnisvoll aus und hat zur Folge, dass umfangreich von Stadt und Land geförderte Projekte nicht weiter gezeigt werden können und ihr Publikum nicht finden. Auch das neue, sehr engagierte Kulturpaket der Landesregierung „Hessen kulturell neu eröffnen“ bietet diesbezüglich leider bis jetzt keine Hilfe.

In Anbetracht der Tatsache, dass auch für den Beginn der kommenden Saison im Herbst noch mit der Aufrechterhaltung der Hygieneauflagen zu rechnen ist, bittet die Theaterallianz das Kulturdezernat der Stadt und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst zu untersuchen, ob es nicht möglich ist, die aufgrund der hygienebedingten Kapazitätsbeschränkungen zu erwartenden Einnahmeverluste der Theater im Rahmen entsprechender Corona-Sonderzuschüsse – ggf. als Erweiterung des neuen Kulturpakets – zu kompensieren.

Darüber hinaus appelliert die Frankfurter Theaterallianz an die politisch Verantwortlichen, den Theatern mehr Eigenverantwortung bei der Umsetzung der notwendigen Hygieneregeln zu übertragen und damit dynamischere, an die spezifischen Gegebenheiten der jeweiligen Räumlichkeiten angepasste Hygiene-Konzepte und Maßnahmen zuzulassen. So ist derzeit etwa für die Zuschauerinnen und Zuschauern in den Theatern noch nicht mal eine kurzzeitige Unterschreitung des Mindestabstands von 1,50m zulässig, obwohl das aus gesundheitlicher Perspektive vertretbar wäre, wenn in solchen Situationen ein Mund-Nase-Schutz getragen würde. Es ist nicht verständlich, warum diese Möglichkeit in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens zugelassen ist, aber in den Theatern nicht.

Auch sind die derzeitigen berufsgenossenschaftlichen Vorgaben zum Probenbetrieb, die etwa für singende, tanzende oder exzessiv sprechende Personen grundsätzlich einen Mindestabstand von 6m vorsehen, kaum umzusetzen und erscheinen nur für Extremfälle auch als gesundheitlich notwendig. Jede Probensituation sollte, was das Infektionsrisiko angeht, unterschiedlich und möglichst individuell zu beurteilen sein. Die Theaterallianz verweist darauf, dass an den Theatern bereits normalerweise die strengsten Vorschriften im Veranstaltungsbetrieb gelten und professionell geschulte, persönlich für die Sicherheit verantwortliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Verfügung stehen, die für jedes Theater spezifische, verlässliche und sicherst mögliche Hygienekonzepte erarbeiten, durchführen und verantworten könnten und denen deshalb mehr Vertrauen seitens der Politik und Verwaltung entgegengebracht werden sollte.

Wenn Sie unser Plakat „Theater Lebt“ hier als pdf öffnen, können Sie mit einem Klick direkt die Website der Mitgliedstheater besuchen!